Emden

Nach Brand in Emden: 37-Jähriger festgenommen

Die Feuerwehrleute gingen unter Atemschutz gegen die Flammen vor. Bilder: Müller

Die Feuerwehrleute gingen unter Atemschutz gegen die Flammen vor. Bilder: Müller

Von Heiko Müller

In einer Obdachlosenunterkunft am Emder Hafen hat es am späten Mittwochabend gebrannt. Ein Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Gegen einen 37-Jähriger wurde Haftbefehl erlassen.

Emden - Nach dem Feuer in der Obdachlosenunterkunft „Alte Liebe“ im Emder Hafen wird gegen einen 37 Jahre alten Mann wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt. Der Verdächtige hat keinen festen Wohnsitz und hielt sich zum Zeitpunkt des Brandes am späten Mittwochabend in der Einrichtung auf. Er sei „erheblich alkoholisiert“ gewesen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Aurich und der Polizei.

Nach Angaben eines Polizeisprechers nahmen Beamte den 37-Jährigen in der Brandnacht am Ort des Geschehens fest. Ein Richter am Amtsgericht Emden erließ am Donnerstag Haftbefehl gegen ihn. Ob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt wurde, sei noch unklar, so der Polizeisprecher. Es werde weiter ermittelt.

52-Jähriger lebensgefärhlich verletzt

Ein 52-jähriger Nutzer der Unterkunft wurde bei dem Feuer lebensgefährlich verletzt. Feuerwehrleute retteten ihn aus dem brennenden Gebäude. Der Zustand des Mannes war laut Polizei am Donnerstagmorgen noch kritisch. Er war in der Nacht in eine Spezialklinik in Nordrhein-Westfalen verlegt worden. Sieben weitere Männer erlitten laut Polizei leichte Verletzungen.

Zum Zeitpunkt des Brandes hatten sich insgesamt elf Männer im Alter zwischen 18 und 67 Jahren in der Unterkunft aufgehalten. Zehn von ihnen gelang es, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Darunter war auch Fritz Eggersdorf, der in dieser Nacht die Besucher der Einrichtung betreute. Er habe „geistesgegenwärtig reagiert“ und „in Sekundenschnelle alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um Leib und Leben der dort untergekommenen Besucher zu retten“, bescheinigte ihm Frank Wessels. Er ist Präses des Synodalverbandes Nördliches Ostfriesland der reformierten Kirche, der Träger der Einrichtung ist. Wessels dankte ebenso wie Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) allen Einsatzkräften und Helfern.

Dramatische Szenen

Es müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Einige Besucher wurden offenbar im Schlaf überrascht. Sie flüchteten teils barfuß und nur leicht bekleidet ins Freie, wirkten verstört und schockiert. Sie wurden zunächst in einen Mannschaftswagen der Feuerwehr gebracht, mit Decken versorgt und medizinisch betreut.

Laut der Stadt verbrachten vier Betroffene den Rest der Nacht im Emder Seemannsheim. Darum hatte sich der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt, Volker Grendel, bemüht. Er war in der Nacht selbst am Brandort. Auch für die nächsten Tage sei die Unterbringung von Obdachlosen dort gesichert, so die Stadt. Das Soziale Kaufhaus stellte Kleidung zur Verfügung.

SPD fordert zum Handeln auf

Die „Alte Liebe“ kann bis auf weiteres nicht mehr genutzt werden. Der Schaden am Gebäude wird auf eine untere sechsstellige Summe geschätzt. Wie es mit der zentralen Unterbringung von Wohnungslosen in Emden weitergeht, ist offen. Nach eigenen Angaben arbeiten die Stadt und die reformierte Kirche an einer mittelfristigen Lösung. In der Unterkunft im Hafen konnten Obdachlose nur übernachten. Zudem betreibt die Kirche an der Hansastraße den Tagesaufenthalt für Menschen in Wohnungsnot. Die SPD-Fraktion im Emder Rat hat unterdessen in einem Schreiben an die Stadt „sofortiges Handeln“ gefordert.

Der Brand war am späten Mittwochabend ausgebrochen und löste einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei aus. Der Notruf in der Emder Rettungsleitstelle war gegen 22.30 Uhr eingegangen. „Als wir eintrafen, schlugen die Flammen aus dem Eingangsbereich des Gebäudes“, sagte ein Angehöriger der Berufsfeuerwehr, die als erste vor Ort war. Es habe sich auch starker Rauch ausgebreitet. Mehrere Trupps drangen unter Atemschutz in das Gebäude vor, um nach dem vermissten 52-jährigen Mann zu suchen. Die Feuerwehr hatte den Brand nach etwa einer halben Stunde unter Kontrolle, musste danach aber noch Glutnester löschen, die in einer Zwischendecke entstanden waren.

Mehr als 50 Einsatzkräfte

Im Einsatz waren etwa 50 Kräfte der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehren Stadtmitte und Larrelt sowie von Spezialeinheiten. Außerdem waren etwa ebenso viele Mitarbeiter von Rettungsdiensten aus Emden, den Landkreisen Aurich und Leer sowie Helfer der Emder DRK-Bereitschaften ausgerückt. Das Deutsche Rote Kreuz stellte vorsorglich auch ein Zelt für die Betreuung der Obdachlosen auf.

Die Nesserlander Straße, an der die Unterkunft liegt, war mehrere Stunden lang voll gesperrt. Die Feuerwehr hatte vorsorglich auch die parallel verlaufende Bahnstrecke sperren lassen. Sie führt zum Borkumkai im Außenhafen.

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