Produktion

Enercon hält am Standort Magdeburg fest

SKET Maschinen- und Anlagenbau in Magdeburg ist seit 1998 ein exklusiver Enercon-Zulieferer, der aktuell um seinen Fortbestand fürchtet. Foto: Förster/DPA/Archiv

SKET Maschinen- und Anlagenbau in Magdeburg ist seit 1998 ein exklusiver Enercon-Zulieferer, der aktuell um seinen Fortbestand fürchtet. Foto: Förster/DPA/Archiv

Von Ole Cordsen und den Agenturen

Der Auricher Windkraftanlagen-Hersteller Enercon hält nach einem massiven Stellenabbau an seinem Standort Magdeburg fest. Das Unternehmen setzt dort auf den Generatorenbau.

Aurich - Nach einem massiven Stellenabbau hält der Auricher Windkraftanlagen-Hersteller Enercon an seinem Standort Magdeburg fest und setzt dort auf den Generatorenbau. Während bislang an den beiden großen deutschen Produktionsstandorten in Aurich und drumzu sowie in Magdeburg die gesamte Palette der Produktion für Windkraftanlagen abgedeckt wurde, bildet der in die Krise geratene Konzern jetzt Schwerpunkte und trennt sich von seinen Doppelstrukturen. Parallel zu Magdeburg als Schwerpunkt für den Generatorenbau bündelt Enercon rund um Aurich seinen deutschen Anlagenbau. Angesichts massiver Auftragseinbrüche und wegen weiterer Faktoren hatte Enercon zuletzt massive Verluste geschrieben, fast eine Milliarde Euro waren es allein 2019. Als Reaktion darauf hat das Unternehmen sich eine Kehrtwende verschrieben.

„Jetzt haben wir in Magdeburg insgesamt noch etwa 2000 Arbeitsplätze. Die wollen wir auch halten“, sagte Unternehmenschef Momme Janssen in einem Interview mit der „Magdeburger Volksstimme“ und betonte noch einmal: „Wir konzentrieren in Magdeburg den Generatorenbau für alle Enercon-Windräder in einem Kompetenzzentrum.“

„Die Schließungswelle ist im Wesentlichen abgeschlossen“

Zur Frage, wie viele der vormals rund 5000 Jobs, die in Ostfriesland eng mit Enercon verbunden waren, aktuell noch existieren, und wie viele es im direkten Firmenverbund sind, gab es von Unternehmensseite terminbedingt am Freitag noch keine konkreten Angaben. Man werde dies Anfang kommender Woche nachholen, hieß es.

Janssen begründete den Umbau des Unternehmens mit dem Zusammenbruch des deutschen Marktes für Windenergieanlagen. Enercon habe über viele Jahre Marktanteile von rund 50 Prozent gehabt, die Krise habe das Unternehmen besonders hart getroffen. „Die Schließungswelle ist im Wesentlichen abgeschlossen. In Aurich und Magdeburg sind dadurch zusammen etwa 3000 Arbeitsplätze verloren gegangen“, erklärte Janssen weiter. Je zur Hälfte fielen die Jobs in Ostfriesland und Magdeburg weg.

Voneinander getrennte Kompetenzzentren

Als Kompetenzzentrum für den Generatorenbau will Enercon seinen Standort in Magdeburg-Rothensee nutzen. Für die Produktion dieser Herzstücke aller Windräder werden bis Ende kommenden Jahres Firmen in die Enercon-Gruppe integriert, die zuletzt als exklusive Zulieferer bezeichnet wurden. Über von außen kaum durchblickbare Konstruktionen waren sie zuvor zwar schon so eng mit dem Konzern verflochte, dass die Mitarbeiter sogar Enercon.de-Mailadressen hatten, an Maschinen arbeiteten, die Enercon gehörten und mitunter in Enercon-Fahrzeugen unterwegs waren, die Firmen formal aber dennoch formaljuristisch nicht zum Unternehmen zählten und etwa mehrfach offiziell im Besitz niederländischer Eigentümer waren.

Schwieriger sieht es für Zulieferer wie SKET (früher: Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst Thälmann“, inzwischen Stahl- und Maschinenbauzulieferer von Enercon). Enercon-Gründer Aloys Wobben als Investor erwarb ihn 1998 gemeinsam mit dem Chef von Logaer Maschinenbau, Heinz Buse. Auch MAM (Maschinen- und Anlagenbau Magdeburg) oder SAM (Stahlturm- und Apparatebau Magdeburg) trifft dies. An deren Aufbau waren die Ostfriesen ebenfalls federführend beteiligt, auch wenn die Betriebe nicht unters Konzerndach geholt wurden. Diese Firmen übernimmt Enercon nicht.

„Das können wir heute nicht mehr durchhalten“

Ähnlich wie in Ostfriesland etwa bei WEC Turmbau in Emden gibt es durchaus noch Aufträge von Enercon, aber bei Weitem nicht im früheren Umfang. Hinzu kommt, dass der Konzern die Entstehungskosten der Anlagen um fast ein Drittel senken will, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger zu werden. Auch das bereitet Zulieferern Schwierigkeiten. Deshalb müssten sie sich um Aufträge von Dritten kümmern, sagte Janssen.

Der Firmenchef verweist dabei gern und immer wieder auf den härter gewordenen weltweiten Wettbewerb und auf die immense Fertigungstiefe, die Enercon seit seiner Gründung in den 1980er Jahren ausgemacht hat, aber auch zu hohen Fixkosten und entsprechend niedrigerer Flexibilität im Umgang mit Auftragsschwankungen geführt hat. „Das können wir heute nicht mehr durchhalten“, sagte er jetzt noch einmal gegenüber der „Volksstimme“. Künftig gilt: Komponenten mit hohem Facharbeiter-Anteil produziert Enercon in Deutschland, Rotorblätter und andere Segmente, etwa Turmteile, sollen künftig verstärkt günstiger in anderen Teilen der Welt hergestellt werden, etwa in Asien.

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